Seit den 1970er Jahren konnte eine beachtliche Feststellung gemacht werden: Laut der ZEIT liefen 1970 noch 91 % aller Erstklässler ohne ihre Eltern zur Schule, im Jahr 2000 waren es nur noch 17 %. Jedes fünfte Kind, das von seinen Eltern zur Schule gebracht wird, wird mit dem Auto gefahren. Diese Entwicklung hat verschiedene Gründe: Zum einen ist der Verkehr seit 1970 viel dichter geworden. Eltern haben Angst, dass ihren Kindern in der Verkehrshektik etwas passiert. Dazu kommt, dass selbst Dorfkinder oft nicht mehr in die nächste Dorfschule gehen, sondern eine weitere, möglicherweise in einer größeren Stadt liegende Schule besuchen, etwa weil es im Dorf keine Schule mehr gibt oder weil sie den Vorstellungen der Eltern nicht entspricht. Oft bringen Eltern ihre Kinder auch aus praktischen Gründen zur Schule, etwa wenn sie auf dem Weg zur Arbeit liegt.
Besser ist es jedoch, wenn Kinder schon als Grundschüler Erfahrungen im Verkehr machen, sei es als Fußgänger oder Radfahrer oder, wenn die Schule zu weit weg ist, in den öffentlichen Verkehrsmitteln, denn je früher ein Kind sich an den Verkehr gewöhnt, umso sicherer wird es. Je älter Kinder wiederum werden, umso risikobereiter werden sie, reagieren eventuell unpassend auf gefährliche Situationen und missachten die Regeln, die ihre Eltern ihnen beigebracht haben.
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Als Fußgänger und Radfahrer Verkehrsregeln beachten
Eltern von Schulanfängern können sich bei Gemeinden oder Schulen einen Schulwegplan besorgen, in denen alle Routen zur Schule eingezeichnet sind. Besondere Gefahrstellen sind dort markiert. Eltern können mit diesen Plänen den für ihr Kind sichersten Weg bestimmen.
In den ersten Wochen sollte ein Elternteil das Kind auf seinem Schulweg begleiten und ihm genau erklären, wie es sich im Verkehr zu benehmen hat. Wenn beide Elternteile morgens arbeiten müssen und dazu keine Zeit haben, gibt es möglicherweise andere Alternativen: Kann dieses „Schulwegtraining“ vielleicht auf das Wochenende verlegt werden, indem die Familie einen Ausflug zur Schule macht? Oder können vielleicht die Großmutter oder der Großvater mit dem Kind zur Schule laufen?
Während des Gehens oder Radfahrens muss dem Kind erklärt werden, welche Verkehrsregeln es beachten muss, etwa
- erst bei grün über die Ampel gehen
- sich nach beiden Seiten umsehen, bevor es die Straße überquert
- nie zu nah an der Straße gehen oder fahren
In der Grundschule ist der Unterschied, ob ein Kind zu Fuß geht oder Fahrrad fährt, was die Verkehrsregeln angeht noch irrelevant, denn Kinder bis zehn Jahren dürfen auf dem Gehweg fahren, haben also die gleichen Regeln zu beachten. Bevor ein Kind schließlich mit dem Fahrrad auf die Straße oder den Radweg wechselt, macht es in der vierten Klasse eine Fahrradprüfung, auf die es von Verkehrspolizisten vorbereitet wird.
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Nach einigen Wochen sollte es diese Regeln verinnerlicht haben. Die Entscheidungen, wie zu handeln ist, sollten dann dem Kind überlassen werden. Verhält sich das Kind richtig, verdient es natürlich Lob und Anerkennung. Tut es das nicht, muss ihm nochmals erklärt werden, weshalb die von ihm missachtete Regel so wichtig ist. Wenn das Kind sich wirklich sicher, selbstbewusst und vorsichtig im Straßenverkehr verhält, kann es auch alleine zur Schule gehen oder fahren.
Wichtig ist jedoch, dass dem Kind auch beigebracht wird, umsichtig zu handeln, denn leider gehören zum Verkehr mehrere Teilnehmer und die eigene Sicherheit hängt nicht immer vom eigenen Handeln ab. Auch andere Verkehrsteilnehmer können Fehler machen oder unvorsichtig und unachtsam, manchmal sogar kopflos handeln. Deswegen muss ein Kind lernen, dass es nicht über die Straße gehen darf, selbst wenn grün ist, wenn ein Auto darauf zurast, und dass es sich immer umsehen und stehenbleiben muss, wenn etwa ein Auto aus einer Seitenstraße kommt und nicht stehen bleibt.
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Im Idealfall wohnen im selben Wohngebiet mehrere Schüler, sodass die Kinder in Gruppen zur Schule gehen können. Das ist besonders dann gut, wenn auch ältere Schüler mitgehen, die sich schon etwas besser auskennen und ein Auge auf Erstklässler haben können. Doch da dieser Idealfall nicht immer vorliegt, muss auch ein Kind, das in die erste Klasse geht, sich so gut im Verkehr zurecht finden können, dass es seinen Schulweg alleine meistern kann.
Dazu muss es nicht nur die Regeln genau kennen, sondern auch ausgeschlafen, nicht hungrig und nicht in Eile sein. Denn ein müdes und hungriges Kind ist weniger reaktionsfähig und denkt eher an sein Pausenbrot als an Autos, und wenn ein Kind spät dran ist und es eilig hat, läuft es schnell mal ohne zu schauen über die Straße. Insbesondere im Winter ist es wichtig, dass das Kind helle Kleidung trägt, damit Autofahrer es besser sehen können. Denn im Winter ist es morgens wenn die Kinder auf dem Weg zur Schule sind noch dunkel. Viele Schulranzen sind mit reflektierenden Katzenaugen ausgestattet, die das Kind zusätzlich sichtbarer machen. Beim Kauf können Eltern gleich darauf achten, ob der Schulranzen Katzenaugen hat.
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Gesund und praktisch: Zu Fuß zur Schule gehen hat viele Vorteile
Kinder, die in die Schule laufen oder mit dem Rad fahren, profitieren sowohl von der frischen Luft, als auch von der Bewegung. Sie sind fitter, können sich besser konzentrieren, beugen effektiv Übergewicht vor, werden ausdauernder und sind weniger anfällig für Infekte.
Außerdem erlangen die Kinder bessere Ortskenntnisse, entwickeln ihren Orientierungssinn und ein Gefühl für ihre Umgebung. Sie lernen, Verantwortung für sich selbst und vielleicht auch für andere zu übernehmen, wenn sie später auf jüngere Schüler aufpassen. Wenn die Kinder in Gruppen laufen, pflegen sie außerdem ihre sozialen Kontakte. Die Pausen sind in der Schule meist eher kurz, und im Unterricht können sich die Kinder nicht miteinander unterhalten. Der Schulweg ist hingegen perfekt, um sich besser kennenzulernen und um Freundschaften zu entwickeln.
Richtiges Verhalten in öffentlichen Verkehrsmitteln
Manchmal ist der Schulweg jedoch zu lang, um ihn zu Fuß zu gehen, sodass Kinder auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind. Auch der richtige Umgang mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fördert die Selbstständigkeit der Kinder, bringt ihnen Verantwortung für sich selbst bei und schärft den Sinn für ihre Umgebung. Wie der Fußweg jedoch, muss auch der Umgang mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gelernt werden.
Zunächst sollten Eltern gemeinsam mit ihren Kindern den Weg von Zuhause zur Haltestelle zügig ablaufen, um feststellen zu können, wie lange sie brauchen. Wenn die Kinder alleine laufen, muss mehr Zeit eingeplant werden, weil Kinder sich gerne mal aufhalten und etwas gemütlicher gehen. Stress und Eile sollte auf jeden Fall vermieden werden, weil Kinder dann, um den Bus oder die Bahn noch zu erwischen, schnell unachtsam werden.
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Versammeln sich mehrere Kinder an einer Bushaltestelle, ist es selbstverständlich, dass sie herumalbern und Spaß haben. Das dürfen sie auch ruhig tun, es ist sogar schön, wenn die Kinder sich vor der Schule noch etwas amüsieren können, doch müssen sie auch verstehen, dass eine Haltestelle kein Spielplatz ist. Andere Kinder zu schubsen oder allzu ausgelassen herumhüpfen ist also tabu, dafür ist die Straße zu nah. Auch in den Fahrzeugen dürfen Kinder ausgelassen sein und Spaß haben, müssen sich aber so benehmen, dass sie keine anderen Fahrgäste stören. Unterhalten ist also okay, herumschreien nicht. Genauso dürfen sie keine Plätze mit ihren Schulranzen blockieren, ihren Müll nicht liegen lassen und ihre MP3-Player nicht ohne Kopfhörer laufen lassen.
Somit lernen Kinder gleichzeitig auch, wie sie sich in Umgebungen voller fremder Leute zu verhalten haben und bekommen somit gesellschaftliche Umgangsstandards direkt mit.
Den Schulweg alleine zurückzulegen, hat für Kinder also nur Vorteile, und wenn Eltern sich sorgfältig darum kümmern, dass ihre Kinder wichtige Verkehrsregeln und richtiges Benehmen verinnerlichen, kann ihnen auch kaum etwas passieren. Nur wenn es nicht anders geht, sollten Kinder jeden Tag mit dem Auto zur Schule gebracht werden.