Mobbing ist ein Phänomen, das leider viel zu weit verbreitet ist. Es bezeichnet die Verspottung, Ausgrenzung, Beleidigung bis hin zur Gewalt gegen Einzelne durch Gruppen. Das Phänomen tritt unter Erwachsenen genauso auf wie unter Kindern. Insbesondere in der Schule kommt es sehr oft zu Mobbingfällen, denn hier finden sich alle Kinder in einer Gruppensituation wieder, in der unterschiedlichste Persönlichkeiten zusammenkommen. Da passiert es sehr häufig, dass besonders schüchterne, talentierte, optisch oder auf sonstige Weise auffällige Schüler ausgegrenzt werden.

Mobbing führt auf Dauer in den meisten Fällen zu schweren psychischen Leiden bis hin zu Depressionen. In besonders harten Fällen kam es sogar schon zum Selbstmord des Mobbing Opfers. Mobbing ist ein erschöpfendes Thema, um es komplett abzudecken, müsste man sich mit den Psychen oder Opfer und Täter auseinandersetzen, diskutieren, welche gesellschaftlichen Veränderungen es geben muss, damit das Phänomen Mobbing zurückgeht und allen Instanzen vermitteln, wie sie Mobbing Opfern helfen können. Da kinder-erfahrungen.de eine Ratgeberseite für Eltern ist, sollen besonders diese beraten werden, wie sie erkennen, dass ihr Kind gemobbt wird, und was sie dagegen tun sollten. Dennoch soll anfangs auch ein genereller Überblick über dieses Problem gegeben werden. Im Folgenden werden diese Fragestellungen der Reihe nach behandelt:

Wie entsteht Mobbing, wer sind die Täter, wer die Opfer?

Mobbing ist ein strukturelles Gesellschaftsproblem, das aus schlechtem Gruppenklima und Konkurrenzdruck heraus entsteht. Den typischen „Täter“ und das „Opfer“ gibt es nicht, das ergibt sich aus den Situationen und Umständen. Kümmert sich ein Lehrer nicht um das Klima in seiner Klasse und vermittelt sogar selbst eine gewisse Skepsis oder Abneigung gegenüber bestimmten Charaktereigenschaften bei Schülern, ist die beste Voraussetzung für Mobbing gegeben. Gibt es dann noch eine brenzlige Konstellation in der Klasse, etwa einen Schüler, der sehr gute Leistungen erbringt, aber dafür recht schmächtig ist, und einen physisch deutlich überlegenen Mitschüler, der im Stoff nicht mitkommt und deswegen neidisch ist, kann es sehr leicht dazu kommen, dass er beginnt, seinen Neid und Frust über seinen schwächeren Klassenkamerad abzuwälzen. Und das ist nur eine von unzähligen Situationen, in denen Mobbing entstehen kann.

Um zu mobben, finden Täter die absurdesten Gründe: Übergewicht, Akzent, Hautfarbe, Hobby, Musikgeschmack, die schulischen Leistungen, Schüchternheit, finanzieller Wohlstand oder Benachteiligung: Alles kann als Grund verwendet werden, um zu mobben.

Genauso wenig, wie ein Opfer definiert werden kann, kann auch der klassische „Täter“ bestimmt werden. In einem Artikel berichtete eine ehemalige Mobbing-Täterin, warum sie ihre Klassenkameradin so schlecht behandelte. Den meisten Schülern war überhaupt nicht bewusst, wie stark ihr Opfer unter den Angriffen litt. Es entwickelt sich eine Gruppendynamik – jeder mobbte und mied das Opfer, also konnte es nicht so falsch sein.

Obwohl das wohl die wenigsten Täter zugeben werden, spielt auch ein Mangel an Selbstbewusstsein oft eine große Rolle: Wer neidisch auf jemanden ist oder seine eigene Unsicherheit kompensieren möchte, dem wird die mächtige Position, die er als Täter erlangt, Genugtuung und Sicherheit geben. Oft beginnt Mobbing ja im Kleinen und wird für den Täter regelrecht zur Sucht: Zunächst sind es kleine Äußerungen und Gesten, vielleicht ein Witz über einen Klassenkamerad, über den die anderen lachen, die zu einem Gefühl der Überlegenheit führen: „Der hat zwar gute Noten, aber so schlagfertige Witze kann der nicht machen!“. Dadurch geht er mit der Zeit immer weiter, bis teilweise richtiger Psychoterror daraus wird.

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 Phänomen des 21. Jahrhunderts: Cybermobbing – Das Mobbing im Internet

Ein sehr neues Phänomen, das im Rahmen der Social Media Entwicklung entstanden ist, ist das Cybermobbing: Das Mobbing im Internet. Opfer werden hier in sozialen Netzwerken oder Foren beleidigt, verspottet und bloßgestellt. Das Phänomen hat teilweise sehr starke Ausmaße angenommen, weil Mobbing hier so einfach wird und die Emotionen des Opfers überhaupt nicht mehr wahrnehmbar sind: Mit einem Klick kann ein fieser Kommentar „geliked“ werden, die Tränen und die Verzweiflung des Opfers sehen die Täter nicht, kaum jemand kann dagegen vorgehen.

Und weil es so einfach ist, hat sich Cybermobbing so rasant ausgebreitet: Laut Spiegel hat schon jeder dritte Schüler Erfahrungen mit Cybermobbing gemacht. Oft ist Cybermobbing den Professoren zufolge, die die im Artikel erwähnte Studie durchgeführt haben, aber harmloser als direktes Mobbing. Die Täter- und Opferrolle scheint beim Cybermobbing oft zu verschwimmen: Viele Schüler werden im Internet beleidigt und beleidigen auch gleichzeitig.

Doch Cybermobbing sollte keineswegs als belanglos betrachtet werden: Cybermobbing kann schwer diffamierend, persönlichkeitsverletzend sein und sogar, wie im Falle eines 14jährigen Mädchens aus Großbritannien, zum Selbstmord führen. Der Artikel macht auch deutlich, dass die Gesellschaft mit dieser neuen Form von Mobbing überfordert ist: Niemand weiß wirklich, wie dagegen vorzugehen ist, die Diskussionen sind heiß, es gibt Projektwochen und Aufklärungsarbeit zur Prävention, aber die Wirksamkeit ist fraglich.

Ob Cybermobbing oder direktes Mobbing: Stets ist es für das Opfer eine sehr belastende, quälende Situation, die Auswirkungen auf das gesamte auch spätere Leben haben kann. Im Folgenden sollen Eltern beraten werden, wie sie ihrem Kind helfen können, wenn es von Mobbing betroffen ist und wie sie erst einmal herausfinden können, dass es gemobbt wird, wenn es ihnen nichts davon erzählt.

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Wie Eltern erkennen, dass ihr Kind gemobbt wird

Mobbing trifft häufig schüchterne, ängstliche Kinder, denen es ohnehin an Selbstbewusstsein mangelt. Deswegen werden vermutlich auch nicht alle ihren Eltern Bescheid sagen, sondern sich schämen, die Schuld bei sich selber suchen und ihr Leiden vor den Eltern geheim halten.

Dennoch wird sich das Verhalten des Kindes oder des Jugendlichen verändern, vielleicht auch nur in subtiler Weise. So werden viele Kinder und Jugendliche versuchen, den Schulbesuch immer öfter zu vermeiden, weil sie sich vor den regelmäßigen Torturen fürchten und sich schämen. Vielleicht werden sie behaupten, der Unterricht entfiele oder sie seien krank. Wird das langsam unrealistisch und unglaubwürdig, so sollten Eltern nachhaken.

Ein weiteres Anzeichen ist, dass das Kind ruhiger und in sich gekehrter wird, kaum etwas von der Schule erzählt sowie sich schnell angegriffen fühlt und teilweise sehr empfindlich reagiert. Da gemobbte Kinder in der Schule meist ständig unter Angst leiden, kann es auch zu Konzentrationsschwierigkeiten und dadurch zum Leistungsabfall kommen.

Wenn Eltern merken, dass ihre Kinder wiederholt Verletzungen haben und ihnen ihr Taschengeld und ihre Sachen, zum Beispiel Jacken, Federmäppchen, Turnbeutel und anderes, fehlen, ist das ein sehr deutlichen Zeichen für Mobbing oder zumindest dafür, dass etwas nicht stimmt.

Mobbing, was tun? Wie Eltern damit umgehen, dass ihr Kind gemobbt wird

Haben Eltern festgestellt, dass sich ihr Kind verändert hat und leidet, und vermuten Mobbing dahinter, müssen sie zunächst bedenken, dass ihr Kind sich schämt und es ihm sehr unangenehm sein wird, wenn sie es darauf ansprechen, denn sonst hätte es selbst Alarm geschlagen. Deswegen ist es wichtig, ein solches Gespräch besonders schonend, liebevoll und verständnisvoll anzufangen und ihm klar zu machen, dass es sich nicht schämen muss und auch keine Schuld daran hat, dass es von seinen Mitschülern ausgegrenzt wird. Erst wenn sich das Kind sicher fühlt und nicht das Gefühl hat, auch noch von seinen Eltern Ärger und Vorwürfe zu ernten, wird es beginnen, sich allmählich zu öffnen. Dabei sollte es sich Zeit nehmen dürfen. Es ist in Ordnung, wenn es erstmal zu weinen beginnt und nicht gleich alles erzählt, was es in der Schule mitmachen muss. Schließlich hat das Kind Angst, dass es noch schlimmer werden könnte, wenn seine Peiniger erst erfahren, dass es „gepetzt“ hat und fühlt sich umso schwächer, wenn es von den Aktionen erzählt.

Zu allererst gilt es nun, das Selbstwertgefühl des Kindes zu stärken: Eltern müssen ihrem Sohn oder ihrer Tochter klar machen, dass er oder sie nicht dümmer, schwächer oder hässlicher ist als die anderen, auch wenn die Mobbing-Täter das behaupten sollten. Manche Kinder und Jugendlichen werden von ihren Tätern so sehr unterdrückt und beeinflusst, dass sie häufig sogar denken, sie hätten diese Behandlung verdient, weil sie minderwertig sind. Merken Eltern, dass ihre Kinder Tendenzen einer solchen Einstellung aufweisen, müssen sie unbedingt viele, lange Gespräche mit ihnen führen und ihnen den Wert ihrer Persönlichkeit klarmachen.

Das Kind hat ein auffälliges optisches Merkmal, etwa abstehende Ohren, und wird damit immer wieder aufgezogen? Suchen Sie mit dem Kind zusammen Beispiele für Sänger, Schauspieler und Sportler, die ebenfalls abstehende Ohren haben: Das Kind wird sehen, dass das nicht schlimm, sondern einfach nur eine Besonderheit ist, mit der jemand dennoch erfolgreich und beliebt sein kann.

Auch Rollenspiele können das Kind weiterbringen: Spielen Sie mit ihrem Kind durch, wie es bei einem Angriff reagieren sollte, was es sagen und welche Körpersprache es an den Tag legen sollte, um vor seinen Peinigern stärker zu erscheinen und sie einzuschüchtern. Sollte das nicht helfen, ist eine therapeutische Behandlung in Erwägung zu ziehen.

In einem nächsten Schritt sollten Eltern die Schule informieren und das persönliche Gespräch zum Klassenlehrer suchen, um herauszufinden, ob dieser etwas von den Mobbingattacken mitbekommt und ihn dazu aufzufordern, Klassenregeln aufzustellen, sich um ein positives Klassenklima zu bemühen und insbesondere die Täter im Auge zu behalten.

Bei anhaltenden, extremen Fällen geht es schließlich nicht anders, als entweder die Täter und ihre Eltern persönlich anzusprechen oder, sollte der Kontakt verweigert oder der Fall verharmlost werden, den Mobbingfall zur Anzeige zu bringen.