Depressionen sind eine ernstzunehmende Krankheit, die in der westlichen Gesellschaft weit verbreitet ist. Doch es ist kein Phänomen, von dem nur Erwachsene betroffen sind: Oft mag diese Tatsache erstaunlich sein, aber auch viele Kinder erkranken an Depressionen, sogar Babys und Kleinkinder können depressiv werden. Studien ergaben, dass unter den Vier- bis Sechsjährigen knapp ein Prozent depressiv ist, bei Jugendlichen gibt es Untersuchungen, die auf bis zu zehn Prozent depressiver Jugendlicher kommen.
Der Artikel umfasst folgende Fragestellungen, die natürlich hier nicht professionell beantwortet werden können, sondern nur eine anfängliche Hilfe für Eltern sein sollen. Vermuten Eltern Depressionen bei ihren Kindern, müssen sie sich unbedingt an einen Arzt wenden.
- Was sind die Symptome von Depressionen bei Kindern?
- Welche Ursachen haben Depressionen bei Kindern?
- Wächst sich eine Depression bei Kindern aus?
- Was ist zu tun, wenn ein Kind Symptome von Depressionen zeigt?
- Die Behandlung von Depressionen
- Wie kann die Familie das depressive Kind unterstützen?
- Trauer bei Kindern – nicht zu verwechseln mit einer Depression
- Wie können Eltern trauende Kinder unterstützen?
- Trauerhilfe im Netz und in Gruppen
Was sind die Symptome von Depressionen bei Kindern?
Je nach Lebensphase eines Kindes und auch je nach individueller Situation gibt es unterschiedliche Symptome, die alle auf Depressionen hinweisen können.
Depressive Babys bleiben mager, wachsen zu langsam und entwickeln sich auch generell langsamer. Kleinere Kinder im Kindergarten- oder Schulalter wirken teilnahmslos und traurig, haben keine Lust zu spielen, keinen Appetit oder Einschlafprobleme. Manchmal haben sie extreme Stimmungsschwankungen, sind morgens müde und lustlos, abends hingegen vergnügt. Manche Kinder weinen viel, andere reagieren schnell gereizt und aggressiv. Bei schweren Fällen beginnen Kinder sich einzunässen oder entwickeln seltsame Verhaltensweisen wie exzessives Daumenlutschen, Haare ausreißen, mit dem Kopf gegen die Wand schlagen oder Hyperaktivität.
Ältere Kinder, die schon allmählich ins Teenageralter kommen, und Jugendliche zweifeln bei Depressionen häufig an sich selbst, sind so sehr in Gedanken versunken, dass sie unkonzentriert und vergesslich werden, was häufig dazu führt, dass ihre Leistungen in der Schule sich verschlechtern. Viele Kinder und Jugendliche haben Angstzustände, Alpträume und Schlafprobleme, nicht selten sind, insbesondere bei Mädchen, Essstörungen in Form von Magersucht, Bulimie oder Esssucht. Oft verändern sich depressive Jugendliche charakterlich: Sie werden zynisch, alles langweilt sie. Sie zweifeln an sich und der Welt, schließen ihre Eltern aus ihrem Leben aus. In extremen Fällen greifen sie zu Alkohol und Drogen oder versuchen sogar, ihrem Leben ein Ende zu bereiten.
Depressionen bei Kindern sind nicht zu verwechseln mit schlechten Tagen, Stress oder Traurigkeit. Ärzte sprechen in der Regel dann von Depressionen, wenn ein Zustand, auf den mehrere der beschriebenen Merkmale zutreffen, mindestens zwei Wochen lang anhält.
Keine Produkte gefunden.
Welche Ursachen haben Depressionen bei Kindern?
Depressionen werden häufig für eine Krankheit gehalten, von der nur Erwachsene betroffen sind, die enormen Belastungen ausgesetzt sind und mit zahlreichen Alltagssorgen zurechtkommen müssen. Doch das stimmt nicht, auch Kindern können bereits Dinge widerfahren, die Depressionen bei Ihnen auslösen.
Generell gibt es für Depressionen häufig eine genetische Veranlagung. Hat das Kind ein oder zwei depressive Elternteile, so ist es prädestiniert, auch irgendwann Depressionen zu bekommen.
Ein Baby kann insbesondere dann depressiv werden, wenn seine Mutter-Kind-Beziehung gestört ist, wenn also die Mutter nicht ausreichend auf das Baby und seine Gefühle eingeht und es vernachlässigt.
Auch bei älteren Kindern kann Vernachlässigung Depressionen auslösen, ebenso wie der Verlust eines Elternteils, Misshandlung, Schwierigkeiten in der Schule, ein angespanntes Familienklima voller Streit, eine Scheidung der Eltern oder ein schlimmes Erlebnis wie etwa ein Unfall. Die Ursachen für Depressionen sind vielfältig und individuell, für jedes Kind kann es ein anderes Erlebnis sein, das es aus der Bahn wirft. Nicht selten kommt es auch vor, dass hochbegabte Kinder depressiv werden, weil sie sich unverstanden oder ausgegrenzt fühlen. Viele Experten geben auch Stoffwechselstörungen im Gehirn die Schuld an Depressionen, wobei hier umstritten ist, ob diese Störungen nicht vielleicht auch eine Folge von Depressionen sein können. Manchmal ist auch davon die Rede, dass der Körper zu wenig Vitamin D erhält, weil das Kind nicht genug Sonnenlicht abbekommt, und das dann zu Depressionen führt. Solche Erklärungen werden insbesondere bei Menschen herangezogen, für deren Depressionen keine emotionale oder den Umständen zuzuordnende Ursache entdeckt werden kann.
Wächst sich eine Depression bei Kindern aus?
Depressionen treten oft phasenweise auf und einem ehemals depressiven Kind kann es auch ohne ausreichende Behandlung nach einiger Zeit wieder besser gehen. Doch es ist anzunehmen, dass genauso wie die guten Phasen, auch die depressiven Phasen wiederkehren werden, wenn die Depression nicht angemessen behandelt wird. Das kann jahrelang so weitergehen bis weit ins Erwachsenenalter. Durchschnittlich haben drei Viertel aller Kinder, die phasenweise depressiv waren, auch als Erwachsene noch depressive Phasen.
Was ist zu tun, wenn ein Kind Symptome von Depressionen zeigt?
Wenn ein Kind depressives Verhalten zeigt, ist zunächst vor allem eins wichtig: Für das Kind da zu sein. Depressive Personen können ihrem Umfeld gegenüber mitunter verletzend sein, weil sie Gleichgültigkeit und Zynismus demonstrieren oder vertraute Personen aus ihrem Leben ausschließen. Doch trotzdem sollten Eltern und auch andere Familienangehörige dem depressiven Kind gerade in dieser Zeit klar machen, dass sie es lieben und wie wichtig es für die ganze Familie ist, dass es dem Kind gut geht.
Eltern sollten das Kind auch darauf vorbereiten, dass sie mit ihm wegen seines Befindens zum Arzt gehen werden und das dann auch tun. Der Kinderarzt kennt das Kind in der Regel schon viele Jahre und kann es gut einschätzen. Er wird, um festzustellen, ob es sich um eine Depression handelt, mit dem Kind sprechen und sein Verhalten beobachten. Es gibt auch zahlreiche Tests und Fragebögen zur Diagnostizierung von einer Depression. Wenn es dem Kind sehr schlecht geht, muss es eventuell auch für einige Tage in die Klinik, damit die Ärzte sein Verhalten im Auge behalten können.
Die Behandlung von Depressionen
Behandelt wird eine Depression in der Regel durch Psychotherapie, also den Gesprächen mit einem Therapeut. Bei leichten und mittelschweren Depressionen reicht das oft aus, um dem Kind nach einer Zeit wieder Kontrolle über seine Gefühle zu verleihen. Bei sehr schweren Depressionen werden unterstützend zur Psychotherapie häufig auch Medikamente verabreicht. Jedoch sollte eine Depression nicht ausschließlich medikamentös behandelt werden – das geht den Ursachen nicht auf den Grund, sondern lindert nur die Symptome.
Ziele einer Psychotherapie sind, das Selbstwertgefühl des Kindes wieder aufzubauen, ihm zu vermitteln, wie es entspannter mit Stress umgehen kann, seinen Umgang mit Menschen zu verbessern, ihm seine eigenen Gefühle verständlich zu machen und eventuell einen Bezug zur Vergangenheit herzustellen, wenn die Depression dort begründet ist. Insgesamt also geht es darum, dem Kind zu helfen, die Kontrolle über seine Gefühle und sein Leben wieder zu erlangen.
In der Regel werden Depressionen ambulant behandelt, nur im Extremfall müssen die Kinder und Jugendlichen während der Behandlung in der Klinik bleiben. Etwa dann, wenn akute Selbstmordgefahr besteht. Die Kosten für eine Psychotherapie werden meist problemlos von den Krankenkassen gezahlt, wenn die psychische Störung diagnostiziert und der Therapeut zugelassen ist.
Wie kann die Familie das depressive Kind unterstützen?
Ein depressives Kind braucht nicht nur die Unterstützung von einem Psychotherapeut, sondern muss vor allem den Rückhalt in seiner Familie spüren. Wichtig ist, mit dem Kind über alle seine Sorgen, Ängste und Gedanken zu reden, diese nicht mit Sprüchen wie „Das ist doch alles gar nicht so schlimm“ zu verharmlosen und es einfach mal tröstend in den Arm zu nehmen, damit es sich geschützt und verstanden fühlt. Ratschläge sind zwar meistens gut gemeint, aber helfen dem Kind nicht weiter. Stattdessen hat es das Gefühl, dass Sie gar nicht wissen, wo das Problem ist, wenn Sie Dinge sagen wie „Du musst einfach an dich glauben“ oder „Versuch, jeden Tag mit einem Lächeln zu beginnen!“
Manchmal sind die Depressionen durch familiäre Umstände bedingt, manchmal nicht. Egal, ob das Verhalten der Eltern dabei eine Rolle gespielt hat oder nicht, dass das Kind depressiv geworden ist: Sich jetzt Vorwürfe zu machen, bringt nichts und wird auch dem Kind nicht helfen. Handeln und die betreffenden Umstände jedoch verbessern sollten Eltern auf jeden Fall.
Depressive Menschen fühlen sich oft nicht liebenswert und haben Angst, verlassen zu werden. Die Familie muss dem Kind deswegen klar machen, wie sehr sie es lieben und es ins Familienleben einbinden, ohne es zu irgendetwas zu zwingen. Vergräbt sich das Kind in seinem Zimmer, wenn es Abendessen gibt, sollte es gerufen werden. Wenn es nicht kommen sollte, ist zwingen aber auch keine Lösung. Es sollte aber zu hören bekommen, dass sich alle sehr freuen würden, wenn es mit ihnen essen würde.
Keine Produkte gefunden.
Trauer bei Kindern – nicht zu verwechseln mit einer Depression
Etwas anderes als eine Depression ist eine Trauerphase, die einen klaren Auslöser hat. Einige Symptome sind zwar denen einer Depression sehr ähnlich, aber Trauer wird in der Regel überwunden und dem Betroffenen geht es nach einer Zeit besser, sodass er seinen Alltag wieder aufnehmen und sein Leben wieder genießen kann. Menschen trauern meistens um den Verlust einer geliebten Person, bei Kindern oft ihre Eltern, Geschwister oder Großeltern, manchmal auch um ein geliebtes Haustier oder wenn eine Familie auseinanderbricht.
Erwachsene haben oft eine bestimmte Vorstellung davon, wie Trauer sich äußert: Der Trauernde zieht sich zurück, denkt viel nach und weint viel. Doch bei Kindern kommt es häufig vor, dass sie ihre Trauer anders äußern, etwa durch aggressives Verhalten oder Stimmungsschwankungen. Gibt es einen Todesfall in der Familie, verleugnen Kinder das oft zuerst und tun so, als sei alles in Ordnung, bevor sie sich tatsächlich auf die Trauer einlassen können.
Wenn ein Kind nicht weint oder sich keine Trauer anmerken lässt, heißt das nicht, dass es gut klar kommt und überhaupt nicht trauert. Manchmal äußert sich die Trauer eben anders, zum Beispiel durch Alpträume oder Appetitlosigkeit, oft schweigen Kinder auch und reden nicht darüber, wie sie sich fühlen, um ihren Eltern nicht zur Last zu fallen.
Wie können Eltern trauende Kinder unterstützen?
Es ist letztendlich unterschiedlich, wie ein Kind seine Trauer äußert. Wichtig ist, dass es sie ausleben darf und damit nicht alleine gelassen wird. Ist eine wichtige Bezugsperson gestorben, so haben Kinder oft Angst, am Ende ganz alleine dazustehen, insbesondere dass auch noch andere vertraute Personen sterben.
Manche Kinder können auch nicht begreifen, wie ein Mensch einfach weg sein kann. Wenn Kinder Fragen stellen, nehmen Sie sich Zeit und beantworten Sie diese wahrheitsgemäß und ohne etwas zu beschönigen oder den Kindern unrealistische Versprechen zu machen. Natürlich ist die Versuchung groß, als Mutter einem Kind, das gerade seinen Vater verloren hat und nun sagt „Versprich mir, dass du nicht auch noch stirbst!“ zu sagen: „Natürlich werde ich nicht sterben!“, aber diese Aussage ist leider nicht wahr. Besser ist es, zu sagen: „Irgendwann werden wir alle sterben, aber ich denke nicht, dass ich bald sterbe. Bestimmt erst, wenn ich ganz alt bin und du schon längst eigene Kinder hast.“ Wenn das Kind fragt, warum jemand gestorben ist, sollte es ein Recht dazu haben, das zu erfahren. Natürlich versteht kein Kind irgendwelche medizinischen Details, aber auch, wenn jemand an Krebs verstorben ist, sollte dies einem Kind in einfachen Worten erklärt werden: „Opa hatte eine schlimme Krankheit, die seinen Körper so sehr geschwächt hat, dass er nicht mehr weiterleben konnte“.
Wichtig ist auch, die eigenen Gefühle vor dem Kind nicht zu verbergen, damit es versteht, dass trauern in Ordnung und kein Zeichen von Schwäche oder ein Grund ist, um sich zu schämen. Sie sollten mit Ihrem Kind reden und seine Gefühle in Worte fassen, wenn es selbst nicht weiß, wie es sie ausdrücken soll: „Du vermisst die Oma und wünschst dir, sie wäre jetzt bei uns. Du bist furchtbar traurig, dass du sie jetzt nicht besuchen kannst. Das ist völlig verständlich, denn du hast die Oma sehr geliebt.“
Kleine Kinder haben eine andere Vorstellung vom Tod als ältere Kinder und Erwachsene, sie halten ihn oft für beeinflussbar und könnten Schuldgefühle entwickeln, weil sie denken, sie hätten den Tod ausgelöst, indem sie der Person irgendwann den Tod gewünscht haben oder sich schlecht verhalten haben. Merken Eltern solche Gedanken bei ihren Kindern, müssen sie ihnen diese natürlich überzeugend und liebevoll ausreden.
Es ist nicht förderlich, den Tod einer geliebten Person unter den Tisch zu kehren mit der Absicht, das Kind nicht daran zu erinnern. Dass ein Familienmitglied gestorben ist, ist ohnehin spürbar. Kinder haben oft große Angst davor, den Verstorbenen zu vergessen. Den meisten Kindern wird es also eher gut tun, wenn der Tote denselben Platz behält wie er zu Lebzeiten hatte. Eine Aussage wie „Dein Vater wäre sehr stolz darauf, dass du eine so gute Note geschrieben hast“ könnte das Kind vielleicht kurz traurig machen, aber letztendlich weckt es schöne Erinnerungen und macht seinen Vater in seinem Leben präsent.
Auch in besonders schwierigen Trauerphasen sollte das Kind eine Struktur und einen Alltag haben, es muss Zeit zum Trauern haben, doch sein Leben sollte dennoch weitergehen. Alle seine Aufgaben in der Schule und im Haushalt sollte es trotzdem weiter ausführen.
Manchmal können Rituale bei Trauer extrem gut helfen, etwa eine schöne Abschiedsfeier für den Verstorbenen. So kann sich das Kind ganz seiner Trauer hingeben und sie voll ausleben. Übrigens sollte die Trauer eines Kindes nie verharmlost werden, auch wenn es „nur“ ein Haustier ist, das gestorben ist. Manche Erwachsene werden selbst schon starke Gefühle zu einem Tier gehabt haben, andere nicht. Diese können dann nicht nachvollziehen, wie jemand so sehr um ein Tier trauern kann, doch diejenigen Eltern sollten dann versuchen, sich in das Kind hineinzuversetzen und seine Trauer anzuerkennen. Eine Aussage wie „Wir kaufen dir einfach einen neuen Hund“ ist völlig fehl am Platz. Eine schöne Trauerfeier für das Tier abzuhalten hingegen kann dem Kind den Abschied sehr erleichtern.