Kleinkinder um die zwei Jahre befinden sich in der sogenannten Trotzphase, die sowohl den Eltern, als auch den Kindern eine Menge Nerven abverlangt. Kinder möchten nun ihren eigenen Kopf durchsetzen, widersetzen sich ihren Eltern, können mit ihren Gefühlen nicht umgehen und nicht selten haben Kinder regelrechte Wutanfälle, von denen Eltern haltlos überfordert sind und vor denen sie sich sogar fürchten.
Aus ihrem lieben, schutzbedürftigen und lustigen Kleinkind wird ein unbezwingbares, schreiendes Monster, das sich auf den Boden wirft, durch die Wohnung läuft und wütet und Dinge kaputt macht. Was geschieht in dem Moment mit dem Kind, wie kommt es zu solchen Anfällen und wie sollten Eltern damit umgehen?
Wutausbrüche vermeiden: Dem Kind zuhören und Kompromisse schließen
Auslöser für heftige Wutausbrüche ist meistens Frust darüber, dass das Kind etwas nicht tun darf, was es gerne möchte oder darüber, dass etwas anders ist als es sich das vorstellt. Oft reichen hier Kleinigkeiten, um zu einem Wutanfall zu führen, beispielsweise wenn das Kind einen grünen Apfel möchte und einen roten erhält. Solche Kleinigkeiten haben freilich meist tiefere Ursachen: Möglicherweise ist das Kind übermüdet, überreizt, leidet an Bewegungsmangel oder sucht nach Aufmerksamkeit. In solchen Fällen muss die Behandlung und Erziehung des Kindes generell überdacht werden, doch auch wenn tatsächlich Frust Grund für die Wutausbrüche sind, schaffen es Eltern im Idealfall, Wutanfälle soweit wie möglich zu vermeiden. Klar, manchmal müssen Verbote oder Entscheidungen über den Kopf des Kindes hinweg sein, doch Eltern sollten sich genau überlegen, ob das Verbot tatsächlich angebracht ist und ob nicht ein Kompromiss möglich ist.
Häufig flippt ein Kind aus, wenn seine Eltern ihm nicht richtig zuhören und ihm etwas verbieten, um ihre Ruhe zu haben. Spielt ein Kind etwa im Wohnzimmer und sehnt sich nach seiner Puppe, die im Regal ganz oben sitzt und an die es nicht herankommt, gibt es eigentlich keinen Grund, dem Kind diese Puppe nicht zu reichen. Viele Eltern reagieren dann nur deswegen mit einem „Nein“ auf die Frage des Kindes, ob sie ihnen die Puppe reichen könnten, weil sie gerade anderweitig beschäftigt sind oder keine Lust haben, zum Regal zu laufen. Sie denken nicht darüber nach, wie wichtig es dem Kind sein könnte, mit dieser Puppe zu spielen, und frustrieren es dadurch grundlos. Das Kind wird versuchen, die Puppe selber vom Regal zu holen, wird dabei scheitern und vermutlich einen Wutausbruch erleiden, den die Eltern ganz leicht hätten vermeiden können.
Auch durch Kompromisse kann ein Kind besänftigt werden: Das Kleinkind möchte unbedingt ein Eis im Supermarkt haben, obwohl es nach dem Einkauf gleich Mittagessen gibt, oder möchte seinen Mantel nicht anziehen, obwohl es ziemlich kalt draußen ist.
Es kommt für die Mutter oder den Vater nicht infrage, sich dem Kind zu beugen, denn dann isst es sein Mittagessen nicht mehr oder erkältet sich. Aber ist vielleicht ein Kompromiss möglich, mit dem das Kind sich anfreunden könnte? Das Eis könnte gekauft und zum Nachtisch verspeist werden, und der Mantel muss zwar angezogen werden, aber kann das Kind ihn vielleicht offen lassen?
Das Problem von Kleinkindern ist, dass sie häufig noch nicht so gut sprechen können und deswegen auch Probleme damit haben, ihre Wünsche richtig zu artikulieren. Deswegen ist es wichtig, dem Kind tatsächlich Aufmerksamkeit zu schenken und ihm zuzuhören. Eine Mutter, die das tut, wird auch merken, um nochmal an das oben eingeführte Beispiel anzuknüpfen, wie wichtig es dem Kind ist, mit der Puppe zu spielen.
Mit einem Wutausbruch zurechtkommen
Wenn ein Kind einen Wutausbruch hat, hat es sich nicht unter Kontrolle. Es hat vor seinem eigenen Verhalten selber Angst und muss vor sich selbst beschützt werden.
Manchen Kindern kann es gut tun, wenn sie sanft auf den Boden gehalten werden. Es kann sich so nicht selbst verletzen und wenn es sich beruhigt, liegt es direkt in den Armen seiner Mutter oder seines Vaters und fühlt sich sicher. Nun kann es sich ausweinen und beruhigen.
Manche Kinder werden jedoch noch wütender, wenn sie festgehalten werden. Diese Kinder sollten sich austoben und durch die Wohnung wüten dürfen, Eltern müssen nur gut aufpassen und alles aus dem Weg räumen, woran sich die Kinder verletzen könnten. Hat sich das Kind beruhigt, sollten Eltern für das Kind da sein und es trösten. Manche Verhaltensweisen, wie etwa Gegenstände kaputt zu machen, seine Geschwister oder Eltern zu schlagen oder zu spucken, sind natürlich inakzeptabel, und das muss dem Kind auch klar signalisiert werden, wenn auch erst nach dem Wutanfall. Anderes, wie lautes Brüllen oder Stampfen, sollte das Kind dürfen. Es hilft ihm, runterzukommen.
Während des Wutanfalls und unmittelbar danach macht es keinen Sinn, vernünftig mit dem Kind zu reden, dafür ist das Kind gerade nicht empfänglich. Entweder es reagiert gerade überhaupt nicht auf die Worte, oder wird noch wütender. Noch wichtiger ist jedoch, dass Eltern über dem Wutanfall ihres Kindes nicht selbst in Rage geraten, denn dann könnte es passieren, dass sie ihrem Kind in ihrer Wut wehtun, oder durch aggressiven Tonfall provozieren, dass das Kind gleich wieder einen weiteren Wutanfall erleidet.
Nach dem Wutausbruch muss alles so sein wie vorher. Das Kind darf nicht das Gefühl haben, dass sein Wutausbruch irgendwelche, weder positive, noch negative, Effekte hat. Die Entscheidung, die vorher getroffen worden ist, sollte bestehen bleiben (auch wenn sie, wie im Beispiel mit der Puppe, nicht angebracht war), und wenn es etwas gab, worauf sich das Kind freute, etwa wenn geplant war, ins Freibad zu gehen, sollte dieser Plan bestehen bleiben, denn sonst fühlt sich das Kind für seinen Wutausbruch bestraft. Am besten gewöhnt man Kindern Wutausbrüche ab, indem sie ohne Konsequenzen bleiben.